Der Teneriffa-Test, Teil 4

Wie Sie als hoffentlich treuer Leser dieser Seite bestimmt wissen, arbeiten wir schon lange an der Entwicklung eines neuen schwarzen Hochleistungs-Unterbodenschutzes. Das besondere an der neuen Produktlinie: Das Material soll mehrere Eigenschaften in sich vereinen, die eigentlich nicht so recht zusammenpassen wollen:

-Der Unterbodenschutz soll auch auf schwierigen Untergründen funktionieren. Er muss also so weich sein, dass er z. B. dazu in der Lage ist, in bereits vorhandenen Rost einzudringen.

-Zugleich, und das ist eigentlich ein Widerspruch, soll der neue Unterbodenschutz aber auch abriebfest sein. Hierfür ist wichtig, dass das Material nach dem Abtrocknen eine feste Oberfläche bildet.

-Zu guter Letzt muss das neue Material natürlich auch eine hervorragende Langzeit-Wirkung gegen Rost haben.

Neben den Prüfungen auf Helgoland, in dem Schiffswrack und unter dem Fernreisebus, gibt es seit diesem Jahr jetzt noch den Test auf Teneriffa. Hier gibt es nicht nur Salzwasser, sondern zusätzlich auch noch sehr hohe Temperaturen. Und wie wir alle noch auf dem Chemieunterricht wissen, wirkt Hitze bei Korrosion wie ein Turbo!

Außerdem können wir hier auf der Insel ganz nebenbei testen, wie hitzebeständig und somit wüstentauglich die neuen Materialien sind.
Was wir auf der Sonneninsel so alles erlebt haben, war ungemein spannend und liest sich fast wie ein Abenteuer. Damit unser Erlebnisbericht nicht wieder einmal zu lang wird, haben wir ihn aufgeteilt: Verteilt auf ein knappes Jahr werden es insgesamt sechs Geschichten sein.

Bereits veröffentlicht im Februar 2016:
1. Unser Job auf einem der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt und die neuen
Unterbodenschutz-Tests.

Bereits veröffentlicht im März 2016:
2. Wenn schon Drogen, dann bitte doch das teure Zeug: So testen wir bei TimeMAX!

Bereits veröffentlicht im Mai 2016:
3. Rost unter Palmen: Warum wir zum Testen nach Teneriffa fahren

Jetzt gleich lesen Sie:
4. Mit letzter Kraft: Das Abenteuer im Wellenbrecher

August 2016:
5. Kanaren, Madeira, Afrika und zurück: Unser Test auf dem Thunfischfänger

Ende 2016 oder Anfang 2017:
6. Die Auswertung des Unterbodenschutz-Tests

Wenn Sie unsere anderen Geschichten aus Teneriffa gelesen haben, kennen Sie diesen schönen Strand schon. Er heißt „Playa de las Teresitas“ und liegt im Nordosten der Insel. Das Meer an der Ostseite von Teneriffa ist relativ ruhig. Der afrikanische Kontinent liegt gegenüber und schützt die Strände vor der heftigen Atlantikbrandung.
Obwohl es gerade Winter ist, merkt man die Hitze der nur wenige hundert Kilometer entfernten Sahara deutlich. Obwohl unser Chef schon ein paar Mal hier war, ist er wieder einmal schwer beeindruckt: „Was für ein Unterschied zum ewigen Schietwetter bei uns in Hamburg!“

Für Werkstatthund Oskar ist Teneriffa hingegen echtes Neuland. Er wundert sich über die Wärme und hat sich deshalb hinter einer Palme erst einmal in den Schatten gelegt: Bloß nichts überstürzen jetzt!

Haben Sie sich bei dem Foto oben wieder einmal über die beiden dunklen Balken gewundert? Es ist wie bei unserer letzten Geschichte: Wieder einmal hat der durch den heftigen Wind hochgewirbelte Sand den Objektivschutz der Kamera verklemmt. Den Schaden konnte unser Chef übrigens reparieren. Mit viel Pressluft und noch mehr Geduld hat er die Kamera von den kleinen Sandkörnern befreit. Die Lehre für´s nächste Mal: Wenn’s windig ist, bleibt die Kamera definitiv in der Tasche!

Ein leicht unscharfes, aber dennoch wichtiges Handyfoto! Hier sehen Sie Oskar und unseren Chef Gerd Cordes beim Nachdenken: „Ok, die beiden Rahmen mit den Testblechen sind jetzt ausgepackt, doch wohin damit? Wo schrauben wir die denn jetzt bloß fest?“

Erinnern Sie sich an unseren Plan aus dem letzten Teil unserer Geschichte? Die Bleche mit den unterschiedlichen Unterbodenschutzproben sollen da festgeschraubt werden, wo die Belastung mit Salzwasser am größten ist. Am besten wäre da natürlich eine Bucht mit so richtig dicken Felsbrocken!

Um eine geeignete Bucht zu finden, haben wir uns dieses dicke Buch aus der Reihe „Reise Know-How“ gekauft. Angeblich ist es eines der besten Bücher über die Insel. Nahezu jede Bucht, die man mit dem Auto erreichen kann, soll hier beschrieben sein.

Der ursprüngliche Plan nach der ersten Lektüre des Reiseführers sieht so aus: Von der eher ruhigen Ostseite der Insel fahren wir mit den Blechen über das Gebirge rüber auf die „wilde“ Westseite: Starker Wellengang und tosende Brandung das ganze Jahr, genau das Richtige also für unseren Test! Hier werden wir irgendwo am Wasser schon einen dicken Felsbrocken zum Festschrauben finden.

Der erste Versuch: Eine Pleite

Auf der Suche nach gut zugänglichen Felsen und wurde uns diese Bucht hier empfohlen: Sie liegt unterhalb vom Taganana Gebirge bei Almaciga.

Es ist eine berühmte Bucht! Jeder der schon einmal auf der Insel war, kennt diesen Ort.
Eine Tafel in Wassernähe erklärt das Besondere an der Bucht. Schon vor über 300 Jahren war Teneriffa für seinen kräftigen Rotwein bekannt!

Der Alkoholgehalt war deutlich höher als heute: Knapp 20 % waren damals völlig normal. Besonders die Engländer liebten den Wein von der Insel sehr. Zu Hause bei ihnen erreichten die Weine aus Teneriffa absolute Höchstpreise! Wegen der nicht selten meterhohen Wellen war es aber schwierig, die Weinfässer an Bord zu bekommen. Oft wurde das Problem so gelöst: Die Fässer wurden ins Meer gerollt und dann mit Booten in Richtung Schiff gezogen. Schon damals hat man sich also so einiges einfallen lassen, wenn es darum ging, an wirklich guten Stoff zu kommen!

Zweiter Versuch: Noch ´ne Pleite!

Wieder „zu Hause“ in San Andres auf der anderen Seite der Insel hat unser Chef dann doch noch ein bisschen in dem Reiseführer geblättert. Dieses Mal hat er sich für´s Lesen aber doch ein bisschen mehr Zeit genommen. Nicht ohne Grund wird immer wieder davor gewarnt, auf der Westseite ins Meer zu gehen. Immer wieder hat er auch die gleichen Warnschilder gesehen: „Vorsicht Lebensgefahr!“

Egal, wie gut man schwimmen kann, in der Brandung ist es wie beim Schleudergang in einer Waschmaschine. Wer in der Nähe der Felsenküste von den Wellen erfasst wird, hat als Nicht-Einheimischer keine Chance!

Zu jeder Jahreszeit sterben so auf den Kanaren unerfahrene Badetouristen, jedes Jahr gibt es rund 100 Tote!

Den Plan mit der „wilden“ Westseite hat Gerd Cordes dann also schweren Herzens aufgegeben: Festschrauben direkt am Wasser? Keine Chance!

Ein paar hundert Meter von der Halle entfernt wurde eine Küstenbefestigung aus Betonblöcken aufgeschüttet. Gibt es hier vielleicht einen geeigneten Platz für die Testbleche?

Bitte glauben Sie uns: Was der spanische Architekt Santiago Calatravas hier geschaffen hat, raubt einem fast den Atem. Besonders wenn man direkt davor steht: Hut ab, was für ein abgefahrenes Design. Ein absolutes Meisterwerk!

Der Plan von Gerd Cordes sieht so aus: Runterklettern bis knapp an die Wasserlinie und dann erst einmal einen Platz suchen auf dem man sicher stehen kann.

Immer weiter runter: Das unglaublich tiefe Donnern der Brecher kommt bedrohlich näher!

Weil die im Beton eingegossenen Steine sehr scharfkantig sind, ist das Klettern übrigens wirklich nicht einfach. Nirgends kam man sich festhalten. Obwohl es insgesamt nur zwölf oder vielleicht maximal 15 Meter sind, das Klettern nach unten entpuppt sich als echte Herausforderung! Obwohl er durch sein Schwimmtraining eigentlich fit ist: Schon nach einer knappen halben Stunde zittern unserem Chef die Beine!

Der Versuch, die Testbleche hier unten zu verschrauben scheitert und dann letztendlich aber nicht an der Kondition, sondern an der Technik: Schauen Sie bitte oben auf das rechte Foto: Diesen Akkuschrauber hatte sich Gerd Cordes für seinen Job bei seinem Vermieter in San Andres ausgeliehen. Nichts gegen Bosch, aber mit den 14 Volt von dem kleinen Teil konnte er die Betonklötze gerade mal ein bisschen ankratzen, mehr war nicht drin!

Urlaubsreif, im Urlaub! Nach der Kletterei war für unseren Chef erstmal Schluss, nichts ging mehr: Er war total verspannt.

Der dritte Versuch: Endlich mal erfolgreich?

Scheitern als Chance! Immerhin weiß unser Chef jetzt also, warum es bislang nicht geklappt hat! Doch was kann er tun? Wer kann ihm hier auf dieser Insel, so rund 6000 km von Hamburg entfernt, wirklich helfen?

Die gleiche Stelle, eine Woche später. Endlich soll es klappen! Hier auf diesem Foto sehen Sie noch einmal die spitzen Steine, die aus den Wellenbrechern heraus ragen. Festhalten unmöglich!

Im normalen Leben, also von Montag bis Freitag, ist Hans Christian eigentlich Lehrer. An den Wochenenden und in den Ferien stehen dann aber eher Fernweh und Abenteuerlust im Vordergrund.

Zusammen mit seiner Frau Helga macht er mit dem Wohnmobil Touren durch ganz Deutschland. Gerne auch mal spontan: Einsteigen und erst dann überlegen, wo es eigentlich hingeht. Früher in seiner Jugend hieß sowas bei Hans Christian mal Abenteuer!

„Ach ja, wenn Du später auf Teneriffa mal Hilfe brauchst, dann ruf mich doch einfach an, wir machen da demnächst Urlaub!“ Eher so nebenbei und schon halb beim Rausgehen hatte der Lehrer unserem Chef in der Werkstatt noch diesen Satz gesagt.

Hans Christian wurde dann tatsächlich zum Retter der TimeMAX-Mission auf Teneriffa. Nicht nur, dass er sich hier auf der Insel um einen Akkuschrauber gekümmert hat, er hat es sich auch nicht nehmen lassen, beim Anbringen der Testbleche mitzuhelfen. Vielen Dank Kollege! Ohne dich wäre es verdammt schwer geworden!

Um zwischen den Betonblöcken nach unten klettern zu können, mussten sich die beiden ganz schön verrenken. Und ohne die Handschuhe aus der TimeMAX-Werkstatt wäre es natürlich eh nicht möglich gewesen, denn weiter unten am Wasser gab es zusätzlich zu den Steinen auch noch scharfkantige Muscheln an denen man sich prima die Hände aufreißen konnte.
Eine knappe halbe Stunde später und zwölf Meter weiter unten: Diesen Platz hat Gerd Cordes ausgesucht. Hinter dem Lochblech sehen Sie insgesamt sechs Testbleche. Sie sind nicht nur mit unserem neuen schwarzen Unterbodenschutz, sondern auch mit Produkten vom Wettbewerb beschichtet. Wie Sie in unseren anderen Teneriffa-Geschichten bestimmt schon gelesen haben, vergleichen wir die Wirksamkeit der Produkte miteinander.
Vielleicht war die Idee, soweit nach unten zu gehen, dann aber doch nicht so gut. Schon jetzt werden die beiden durch die Gischt zwischendurch ein bisschen nass.

Das unglaublich tiefe Donnern der Wellen ist nicht nur laut, es ist sehr laut! Jedes Mal wenn die Brecher einschlagen, zittern die Betonblöcke. Und nicht nur das: Das Donnern kommt unaufhaltsam näher!

Die Erklärung: Auch hier auf Teneriffa gibt es Ebbe und Flut. Vielleicht liegt es ja am insgesamt schlechten Wetter: So wie es aussieht, ist der Wasserstand heute irgendwie höher als üblich. Laut Tiedenkalender hätten die beiden Abenteurer nämlich bis zum Beginn der Flut eigentlich noch etwas Zeit gehabt!

„Gerd, jetzt hör doch endlich mal auf mit der Knipserei, wir müssen uns beeilen!“ Obwohl Hans Christian nun schon zum zweiten Mal meckert, krabbelt unser Chef auf einmal wieder nach unten. Von dem Krebs, der gerade angespült wurde, will er unbedingt noch eine Nahaufnahme machen!
Eine halbe Stunde später auf dem Parkplatz: Hier ist sie noch mal aus nächster Nähe zu sehen: Die Maschine, die da unten so tolle Arbeit geleistet hat!
Zwei Stunden später in einem Restaurant am Strand in San Andres. Um die beiden für die Quälerei zu entschädigen, hat Gerd Cordes sie in ein Fischrestaurant eingeladen. Wie man sieht, ist „Hucky“ immer noch gut drauf. Seine Frau Helga hatte sich diesen Urlaubstag wohl dann doch etwas anders vorgestellt und lächelt etwas gequält. Ob sie zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, das Hans Christian und unser Chef schon jetzt bereits ein Wiedersehen angedacht haben? Im November sollen die Bleche wieder abgeschraubt werden. Hans Christian freut sich schon auf ein neues Abenteuer.

Nach dem zweiten Bier hat Gerd Cordes übrigens auch erfahren, warum Hans Christian von seinen Freunden „Hucky“ genannt wird. Unter echten Abenteurern ist die Abkürzung bekannt! Sie steht nicht für Hans Christian, sondern für „Huckleberry Finn“. Noch so ein Abenteurer: Sie kennen ihn bestimmt aus dem tollen Roman von Mark Twain.